NOZ: Frühstück sucht Gast


Kühe in Ostenwalde geben Milch zu Musik

Die Aktion „Frühstück sucht Gast“ auf dem Hof Benten in Ostenwalde ist bei den Besuchern gut angekommen. Außer einem herzhaften Sonntagsfrühstück mit Rührei, selbst gebackenem Brot und Milchprodukten boten die Gastgeber Einblicke in ihre Milchviehhaltung und -produktion.
 

Vor einem Stapel Rundballen aus frischem Heu haben Meike und Günther Benten in der Scheune mithilfe ihrer Familie und den Werlter Landfrauen ein reichhaltiges Buffet aufgebaut. Neben einer großen Schüssel mit mildem Quark stehen frisch geschnittene Erdbeeren, Himbeeren und Blaubeeren. Zwischen liebevoll hergerichteten Aufschnittplatten sind verschiedene Sorten selbst gemachte Marmelade aufgereiht.

Aktion für mehr Akzeptanz und Vertrauen

Doch bevor es ans Buffet geht, ergreift Agnes Rösing das Wort. Die Kreisvorsitzende der Landfrauen Aschendorf-Hümmling aus Lehe und amtierende Landfrau des Jahres, erklärt, was es mit der Aktion „Frühstück sucht Gast“ auf sich hat. Demnach ist es „uns Landfrauen ein großes Anliegen, die Beziehungen zwischen Verbrauchern und Erzeugern zu stärken“. Nur im Dialog könne Vertrauen und Akzeptanz entstehen. Dazu gehöre auch, zu zeigen, wie auf einem modernen Hof gearbeitet werde „und was es bedeutet, Landwirt zu sein“.

Die Aktion „Frühstück sucht Gast“ findet alle zwei Jahre im Wechsel mit dem „Tag des offenen Hofes“ statt. Wie Rösing erläutert, wurde sie erstmals 2009 in Ostfriesland durchgeführt. Mittlerweile sei sie in der gesamten Region Weser-Ems etabliert. Der Bauernhof Benten ist diesmal der einzige Betrieb im nördlichen Emsland, der mitmacht.

Bullen werden nach zwei Wochen verkauft

Nach dem Frühstück bitten Meike und Günther Benten zum Hofrundgang. An der Einfahrt steht eine Holzhütte. Hier vermarktet die Familie Milch, Eier und Marmelade direkt. Im August wird das Angebot um handgemachten Käse einer mobilen Käserei erweitert.

Auf dem Hof leben rund 100 Milchkühe, Kälber, Hühner, Kaninchen, Schafe, Hunde, Katzen und Ponys. Den Kindern haben es vor allem die Kälber angetan. Wie Meike Benten erklärt, werden die Kuhkälber für die Nachzucht behalten, die Bullen hingegen bereits nach zwei Wochen an einen Viehhändler verkauft. Der jüngste Hofzuwachs liegt bequem im Stroh. Er ist zwei Tage alt.

Im Kuhstall blicken einige Tiere neugierig aus großen Augen auf, als die Besucher eintreten. Andere futtern seelenruhig weiter. Links und rechts der Stallgasse liegt ein Gemisch aus Mais- und Grassilage, vermengt mit Sojaschrot, Mineral- und Kraftfutter sowie etwas Stroh.

Melkroboter angeschafft

Ein gewisser Andrang herrscht vor dem Melkroboter, den die Familie vor vier Jahren angeschafft hat. Investitionskosten? Rund 200.000 Euro, sagt Günther Benten. Die voll automatisierte und computergesteuerte Anlage sorgt dafür, dass sich die Kühe – je nach Leistung – mehrfach täglich melken lassen können. Dazu läuft Radiomusik, genauer gesagt NDR 1, Radio Niedersachsen, wie Meike Benten erklärt. Die Familie hat festgestellt, dass Musik die Kühe entspannt. „Als wir den Stall 2011 gebaut haben, haben wir dabei Musik gehört und die Kühe auch“, erzählt sie. Nachdem die Bauarbeiten abgeschlossen gewesen seien, hätten sie auch das Radio mitgenommen. Daraufhin seien die Kühe beim Melken jedoch „zappeliger“ gewesen. „Also haben wir die Musik wieder eingeschaltet“. Jetzt läuft beim Milchgeben „Under My Umbrella“ von den Beatles, „In The Army Now“ von Status Quo oder „Himbeereis zum Frühstück“ vom Duo Hoffmann & Hoffmann.

Während des Melkvorgangs, der zwischen sieben und acht Minuten dauert, dürfen sich die Kühe zudem an einer Portion Kraftfutter laben. „Das ist für sie wie für uns Schokolade“, erklärt Günther Benten lächelnd.

Harte Jahre durch Milchpreiskrise

Seine Frau und er verhehlen den Besuchern aber nicht, dass der Betrieb des Hofes nicht nur ein Vollzeitjob, sondern auch beileibe nicht immer ein Zuckerschlecken ist. „Die letzten zwei Jahre waren richtig hart“, sagt Günther Benten im Hinblick auf die Milchpreiskrise. Bei 32 oder 33 Cent pro Liter fahre er praktisch eine Nullnummer. Zuletzt habe es 34,3 Cent gegeben. Im kommenden Monat sollen es 36 sein. Von nachhaltiger Wirtschaftlichkeit könne man erst bei 38 bis 40 Cent reden. Der Hofbetreiber wünscht sich in diesem Zusammenhang einfach mehr Planungssicherheit. Seine 100 Kühe, die im Übrigen alle einen Namen haben, geben im Durchschnitt derzeit zwischen 28 und 29 Liter Milch pro Tag.

Was Benten nach eigenem Bekunden Kopfzerbrechen bereitet, sind die Auflagen für Landwirte. „Ich habe einen schönen Beruf. Aber die Auflagen machen ihn nicht leichter“, sagt er. Überall werde von Bürokratieabbau gesprochen, „aber bei uns gibt es immer mehr Papierkrieg“.

In die alltäglichen Arbeiten sind derweil auch schon die vier Kinder im Alter von drei bis zwölf Jahren eingebunden. Zum Abschalten oder gar für einen längeren Urlaub bleibt kaum Zeit. Und doch lassen Meike und Günther Benten keinen Zweifel daran aufkommen, dass Beruf für sie auch Berufung bedeutet.